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Mai 1988 - Wirtschaft

E.cht G.emein, die Neutralität…


Dass die österreichische Neutralität der Regierung ein Dorn im Auge ist, wird angesichts der großen Sympathie der Regierung für den Beitritt zur EG deutlich.

Sowohl die SPÖ, als auch die ÖVP und die FPÖ zeigen sich im Gegensatz zu den Grünen und der KPÖ EG-freundlich. Auch für die Industrie und die Wirtschaft allgemein würde der EG-Beitritt Vorteile bringen.

Wie praktisch, dass sich die Papier- und Textilindustrie längst den Brüsseler Erfordernissen, Normen und Vorschriften angepasst hat. Die Umstellung wäre demnach kein Problem.

Wie schade, dass die Wirtschaft uns jedoch alle betrifft: Zwar gehen über 60% der Ausfuhren schon jetzt an die Länder der EG, doch würde sich der EG-Beitritt negativ auf die Landwirte (Bauern), die Banken und Versicherungen, den Dienstleistungssektor und eine ganze Reihe eher kleinerer Betriebe auswirken.

Schön, dass sich die Konsumenten im Falle eines Beitritts freuen dürfen, wenn die landwirtschaftlichen Produkte (Milch, Getreide,…) billiger werden, wenn die Bauern gezwungen sind, sich dem niedrigen Preisniveau der EG-Länder anzupassen.

Auch um sich gegenüber der (großen!) Konkurrenz behaupten zu können.

Letzteres wird sich noch bei Banken und Versicherungen bemerkbar machen, da sie ihre Zinsen senken müssten, um sich vor zu viel Wettbewerb zu schützen. Der Konkurrenzkampf wäre enorm, ähnliches gilt auch für kleinere Betriebe, die sich kaum erhalten könnten. Scheinbar sind diese Makel spurlos an der Regierung vorbeigezogen. Das scheint weder einem Franz Vranitzky (SPÖ), noch einem Alois Mock(ÖVP) (unbewusst?) bewusst zu sein.

Bei den oben genannten Einschränkungen kann man dem Slogan „Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut“ nun wirklich nicht zustimmen.

Dass mehr als 50% der Österreicher, die für einen EG-Beitritt sind, eine Sonderstellung innerhalb der EG erwarten, lässt sich entweder mit einer gehörigen Portion Naivität oder dem Hang zum Irrealen erklären. Dass der EG-Beitritt auf jeden Fall einen Beschnitt der Neutralität darstellt, fällt ebenfalls unter das "Ich-will-es-nicht-sehen"-Syndrom (Iwens-S) der Politiker.

Soll man die Aussage von Kanzler Vranitzky: "Wir bereiten jetzt Schritt für Schritt unser Verhältnis zur EG vor" als "Wir entsorgen die österreichische Neutralität Schritt für Schritt in homöopathischen Dosen" verstehen?

Ausgehen wird es wahrscheinlich wieder so, dass die "GROßEN"über die "kleinen" hinweg bestimmen werden, wir uns also bald zu den EG-Ländern zählen dürfen (müssen!!).

Als kleiner Trost bleibt, dass es immerhin "nur" die Wirtschaft betrifft, in der ebenfalls die Großen (EG-Länder) über die kleinen (Österreich) bestimmen werden. Aber solange das Ganze nicht auf eine politische Ebene geht, und die EG nicht EU ( ) heißt, können wir uns entspannen.

Von Jinny Xin & Desirée Drössler

 


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