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Mai 1988 - Außenpolitik

János Kádár vor Ablöse?


Verdichtung der Gerüchte um eine Ablöse des ungarischen KP-Chefs János Kádár nach 32-jähriger Amtszeit


Es herrscht Aufbruchsstimmung in der ungarischen Gesellschaft. Das "System Kádár" ist unbeliebt geworden und gilt als ineffizient. Der bald 76-jährige, der sein Amt vor 32 Jahren durch Verrat, er ließ den letzten gesetzmäßigen Ministerpräsidenten hinrichten, und Kooperation mit der UdSSR erlangte, will sich jedoch nicht beiseite schieben lassen. Vor allem aber will ihn sein "Hofstaat" nicht entlassen, der dann auch um seine Stellung fürchten müsste.

In einer Rede am 20.5. sprach Kádár davon, Kritikern und Feinden der "sozialistischen Demokratie" mit Argumenten und sog. "politischen Mitteln" aber auch "anderen Methoden" zu begegnen.

Er verteidigte die vorangegangene Kürzung der Gelder für Wissenschaft und Kunst und kritisierte "Pseudowissenschaftlichkeit, Scheinaktivität und entartete Kunst".

Außerdem forderte er eine radikale Verjüngung der Partei zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und eine genauere Aufgabenteilung zwischen KP und anderen Organisationen des Systems, das würde einen Rückzug der Partei aus der Tagespolitik bedeuten.

Als Verfasser der Rede wird der konservative János Berecz vermutet, der damit auch als wahrscheinlichster Nachfolger Kádárs gilt.

Andere Kandidaten wären der Ministerpräsident Károly Grósz, der als tatkräftig, energisch und modern gilt und von den Sowjets unterstützt wird. Außerdem der radikale Reformer Imre Pozsgay, der eine tief greifende Umgestaltung des Systems und personelle Erneuerungen fordert.


von Miriam Göritzer u. Julia Pulgram

 


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