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János
Kádár vor Ablöse?
Verdichtung
der Gerüchte um eine Ablöse des ungarischen
KP-Chefs János Kádár nach
32-jähriger Amtszeit
Es
herrscht Aufbruchsstimmung in der ungarischen
Gesellschaft. Das "System Kádár"
ist unbeliebt geworden und gilt als ineffizient.
Der bald 76-jährige, der sein Amt vor 32
Jahren durch Verrat, er ließ den letzten
gesetzmäßigen Ministerpräsidenten
hinrichten, und Kooperation mit der UdSSR erlangte,
will sich jedoch nicht beiseite schieben lassen.
Vor allem aber will ihn sein "Hofstaat"
nicht entlassen, der dann auch um seine Stellung
fürchten müsste.
In einer Rede
am 20.5. sprach Kádár davon, Kritikern
und Feinden der "sozialistischen Demokratie"
mit Argumenten und sog. "politischen Mitteln"
aber auch "anderen Methoden" zu begegnen.
Er
verteidigte die vorangegangene Kürzung der
Gelder für Wissenschaft und Kunst und kritisierte
"Pseudowissenschaftlichkeit, Scheinaktivität
und entartete Kunst".
Außerdem
forderte er eine radikale Verjüngung der
Partei zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit
und eine genauere Aufgabenteilung zwischen KP
und anderen Organisationen des Systems, das würde
einen Rückzug der Partei aus der Tagespolitik
bedeuten.
Als
Verfasser der Rede wird der konservative János
Berecz vermutet, der damit auch als wahrscheinlichster
Nachfolger Kádárs gilt.
Andere
Kandidaten wären der Ministerpräsident
Károly Grósz, der als tatkräftig,
energisch und modern gilt und von den Sowjets
unterstützt wird. Außerdem der radikale
Reformer Imre Pozsgay, der eine tief greifende
Umgestaltung des Systems und personelle Erneuerungen
fordert.
von Miriam Göritzer
u. Julia Pulgram
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