Wie stimmte J.S. Bach sein Cembalo?
Diese von Werckmeister entwickelten Stimmung, wurde
erst 1975 von Herbert Anton Kellner wiederentdeckt.
Bis dahin meinte man, Bach hätte die gleichstufig
temperierte Simmung (die heute übliche) verwendet.
Doch dann wäre schwer verständlich,
warum im WTK 24 Stücke enthalten sind, da
die gleichstufige Stimmung keinen klanglichen
Unterschied zwischen transponierten Musikstücken
kennt. C-Dur und C-Moll hätten genügt.
(Auch die gelegentlich von Musikhistorikern ins
Auge gefasste Stimmung Kirnberger 3 kommt wegen
klanglicher Unreinheiten in einigen Tonarten nicht
in Frage.)
Bach liebte die Chromatik: 'chroma' ist das griechische
Wort für 'Farbe' und bezeichnete die unterschiedliche
Klangqualität von Akkorden auf verschiedenen
Stufen. Die heutige gleichstufige Stimmung hat
diese Farbigkeit völlig verloren und ist
damit die 'klangärmste' aller Stimmungen.
Auf unseren Klavieren klingt d-f#-a genauso wie
c-e-g, nur eben etwas höher.
Bach muss also eine nicht-gleichstufige Stimmung
für sein WTK verwendet haben.
Die Bach-Stimmung
Basis ist der C-Dur Dreiklang, dessen leicht
vergrößerte Terz c-e exakt gleich schnell
mit der etwas verkleinerten Quint c-g schwebt.
Die Terz erhält man aus vier derartigen temperierten
Quinten nach oben. Vom c weg steigen sechs reine
Quinten bis ges=fis ab. Die Quint e-h ist rein.
Zum Stimmen verwenden wir die Oktav unter dem mittleren
c. Wir müssen nur kurz zum b darunter und
zum e darüber, reoktavieren aber sofort.
| Schritte |
Aktion |
Ergebnis |
| 1.) |
Stimme das c |
c |
| 2.) |
In reinen Quinten sechs mal nach unten
und nötigenfalls reoktavieren |
f, b, eb, ab, db, gb |
| 3.) |
Von der letzten Note gb=f# nun eine anfangs
reine Quint (ohne Schwebungsschläge)
hinunter zum h |
|
| 4.) |
Nun wird das h langsam erhöht,
sodass die Quint schwebt. Dazu hört
man sich das Intervall h-d#(=eb) an:
Solange obiges h rein ist, hört
man eine wild schlagende pythagoreische
Terz. Zieht man das h nach oben, werden
die Schläge langsamer, der Akkord
entspannt sich. Gleichzeitig wird
die Quint h-f# kleiner und schlägt.
Ziel der Verstimmung: die Terz h-d#
muss genau sechsmal so schnell schlagen,
wie die Quint h-f#. (Dadurch wird
das pyth. Komma gefünftelt und
die Quint um 4.7 Cent verkleinert))
|
h |
| 5.) |
Von diesem neuen h stimmt man nun eine
reine Quart nach oben zum e (Oktav rauf
und Quint runter). Die entstandene Terz
c-e muss also ebenfalls leicht schlagen
(aber nur +2.8 Cent!) |
e |
| 6.) |
Jetzt passt man noch vier Quinten ins
(oktavierte) Intervall c-e (Methode Kirnberger
3), mit folgenden Überprüfungen:
|
c,g,d,a |
| 7.) |
g: c-g muss gleich schnell (keinesfalls
schneller) schlagen wie d-a. |
|
| 8.) |
d: g-d und a-e wie in Punkt 7.
g-d schlägt dann 1.5 mal schneller
als c-g.
2 Schläge c-g müssen auf 3 Schläge
g-d kommen
|
|
| 9.) |
c-g darf nie schneller schlagen als g-d |
|
Abschließende Tests:
- c-e schlägt so schnell wie c-g
- c-g und h-f# (drunter) schlagen fast gleich
schnell
- d-f# schlägt dremal so schnell wie c-e
- eb-g darf nicht schneller als e-g# schlagen
- f-a und g-h sind gleich groß, f-a darf
keinesfalls schneller schlagen
| wohltemperiert Bach |
| Ton |
|
Cent |
Diff. |
| c' |
|
1200.0 |
0 |
| h |
|
1091.1 |
-9 |
| h- = a+ |
|
996.1 |
-4 |
| a |
|
891.8 |
-8 |
| a- = g+ |
|
792.2 |
-8 |
| g |
|
697.3 |
-3 |
| g- = f+ |
|
588.3 |
-12 |
| f |
|
498.0 |
-2 |
| e |
|
389.1 |
-11 |
| e- = d+ |
|
294.1 |
-6 |
| d |
|
194.6 |
-6 |
| d- = c+ |
|
90.2 |
-10 |
| c |
|
0 |
0 |
Man sieht, dass alle Zwischentöne der Oktave
tiefer liegen, als in unserer modernen
gleichstufig temperierten!
(Quelle: H.A. Kellner, 'Wie stimme ich selbst
mein Cembalo')
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