Le Calendrier Républicain
Der Kalender der Französischen Revolution
Ein Ziel der Revolution war die Vereinfachung der
Kalender- und Zeitberechnung, die von jedermann
auch ohne große Mathematikkenntnisse durchführbar
sein sollte. So weit wie möglich wurde deshalb
das moderne metrische System mit Verwandlungszahlen
10 und 100 verwendet. Auch die Unterteilungen
des Jahres in Monat, Wochen und Tage sollten sich
möglichst einfach berechnen lassen.
Dieser Kalender wurde im Oktober 1793 vorgestellt
und hatte vom 24. November 1793 bis zum 31. Dezember
1805 (unserer Zeitrechnung) Gültigkeit. Am
1. Jänner 1806 wurde er von Napoleon außer
Kraft gesetzt, der zum uns vertrauten gregorianischen
Kalender zurückkehrte. Vom 6. bis zum 23.
Mai 1871 (Pariser Kommune) war der Revolutionskalender
allerdings noch einmal in Verwendung.
Die Kalenderzählung beginnt mit dem Tag der
herbstlichen Tag-und-Nacht-Gleiche (Herbstäquinoktium)
des Jahres 1792 unserer Zählung, der auf
den 22. September fiel. Gleichzeitig war dies
der Tag nach der Ausrufung der Republik.
Das Jahr und seine Monate
Wie auch im koptischen und äthiopischen Kalender
wird das Jahr in 12 Monate von genau 30 Tagen
Länge geteilt. Daran schließen sich
5 (im Schaltjahr 6) monatslose Tage an.
Die poetischen Namen der Monate wurden von Fabre
d'Églantine geprägt. Beachte, dass
dieses Jahr in unserem September beginnt, und
die Wechsel der Monate vom Tag des Herbsäquinoktiums
bestimmt werden!
| |
Name |
|
Beginn ca. mit unserem |
| 1 |
Vendémiaire |
(Erntemonat) |
22. September |
| 2 |
Brumaire |
(Nebelmonat) |
23. Oktober |
| 3 |
Frimaire |
(Reifmonat) |
22. November |
| 4 |
Nivôse |
(Schneemonat) |
|
| 5 |
Pluviôse |
(Regenmonat) |
|
| 6 |
Ventôse |
(Windmonat) |
|
| 7 |
Germinal |
(Keimmonat) |
|
| 8 |
Floréal |
(Blütenmonat) |
|
| 9 |
Prairial |
(Wiesenmonat) |
|
| 10 |
Messidor |
(Erntemonat) |
|
| 11 |
Thermidor |
(Hitzemonat) |
|
| 12 |
Fructidor |
(Fruchtmonat) |
15./16. August bis16./17. Sept |
Die englischen Nachbarn der Franzosen blickten
belustigt auf diese neuen Kreationen und hatten
bald spöttische Namen für die französischen
Monate gefunden:
Wheezy, Sneezy, Freezy, Slippy, Drippy, Nippy,
Showery, Flowery, Bowery, Hoppy, Croppy, Poppy.
Die Tage, die sich an den zwölften Monat anschlossen
(formal stellt man sie heute wie im Maya-Kalender
in ein dreizehntes 'Pseudomonat') hießen
| 1 |
Jour de la Vertu |
(Tugendtag) |
| 2 |
Jour du Génie |
(Geistestag) |
| 3 |
Jour du Labour |
(Feldarbeitstag) |
| 4 |
Jour de la Raison |
(Vernunfttag) |
| 5 |
Jour de la Récompense |
(Vergeltungstag) |
| 6 |
Jour de la Révolution |
(Tag der Revolution) |
Der sechste Tag existierte nur in einem Schaltjahr.
Anfangs gab es zu dessen Bestimmung keine mathematische
Regelung. Er wurde genau dann eingeschoben, wenn
der Jour de la Récompense noch nicht mit
der Sonnenwende zusammenpasste. Da dies aber von
Nicht-Astronomen kaum vorherberechenbar ist, ging
man 1795 zu der einfachen Schaltjahresregel über,
wie sie auch im gregorianischen Kalender Anwendung
findet.
Die Wochen eines Monats
Jedes Monat wurde in drei décades
unterteilt, wobei der zehnte Tag als 'Ruhetag'
galt. Nicht schwer zu erahnen, dass diese Regelung
bei den Arbeitern auf wenig Gegenliebe stieß,
da der bis dahin gewohnte Sonntag öfter stattfand.
Die Wochentage innerhalb einer décade hießen
| 1 |
Primidi |
| 2 |
Duodi |
| 3 |
Tridi |
| 4 |
Quartidi |
| 5 |
Quintidi |
| 6 |
Sextidi |
| 7 |
Septidi |
| 8 |
Octidi |
| 9 |
Nonidi |
| 10 |
Decadi |
Der Tag
 |
Hier erfolgte eine konsequente Anwendung
der metrischen Verwandlung mit Basis
10.
Ein Tag wird in 10 Stunden
unterteilt.
Eine Stunde hat 100 Minuten.
Eine Minute hat 100 Sekunden.
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Damit vergehen die französischen Revolutionssekunden
ähnlich schnell wie unsere gregorianischen.
Rechne es aus!
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